Der Hof der Akademie war von einem goldenen Abendlicht durchzogen, das die Steinplatten weich und warm erscheinen ließ. Überall standen Schülerinnen aus allen Klassen in kleinen Gruppen, flüsternd, gespannt, erwartungsvoll. Der Nachthimmel zog langsam vom Westen auf und tauchte den Hof langsam in ein tiefblaues Dunkel. Echo trat entschlossen und mutig nach vorne, und für einen Moment schien das Murmeln zu verstummen.
Sie spürte die Aufregung in ihrer Brust, doch sie wich nicht zurück und sie hatte auch keine Angst. Nein, sie freute sich richtig, denn heute würde sich all ihre harte Arbeit auszahlen. Dawn schwebte dicht an ihrer Schulter, stiller als sonst. Dies war kein gewöhnlicher Zauber. Dies war ihr Hexenkristall, den sie beschwören würde. Ein Meilenstein in ihrer Hexenausbildung.
Langsam hob Echo die Hand mit ihrem Zauberstab und schloss die Augen. In ihrer Vorstellung entstand ein Licht, warm und golden, nicht grell, sondern sanft wie Sternenschein kurz vor Mitternacht. Das Licht formte sich langsam zu einem Kristall. Kein scharfkantiger Edelstein, sondern eine kleine, schwebende Sternform, deren Kern wie fließender Sand schimmerte. Zeit und Sterne. Ihre Elemente. Als sie ihre Augen öffnete, wusste sie, was zu tun ist.
Mit ruhiger Bewegung begann sie, den Beschwörungskreis zu zeichnen. Die Linien glühten sofort auf, als hätten sie nur auf ihre Berührung gewartet. Der äußere Ring leuchtete in hellem Gold, durchzogen von feinen Sternsymbolen. Der zweite Kreis war bernsteinfarben, und in ihn setzte sie sorgfältig ihre Zeitrunen. Die Zeichen flackerten kurz, dann verbanden sie sich zu einem pulsierenden Muster.
Als sie den letzten Strich vollendete, hob sich ein sanfter Wind. Ihr Haar löste sich aus der Bewegung, tanzte um ihr Gesicht, als würde selbst die Luft antworten. Ein warmes Leuchten erhob sich aus dem Kreis und drehte sich spiralförmig nach oben.
✨Tempora Stellaris✨, sprach sie klar, und aus dem Augenwinkel sah sie Dawn, die ihre Hände gefaltet hatte, und einen schmalen, goldenen Manastrom, der sich mit ihrem Kreis verbunden hatte. Natürlich unterstützt ihre kleine Elfe sie bei ihrer großen Prüfung. Echo lächelte und konzentrierte sich wieder auf den Kristall.
Das Licht verdichtete sich über ihrer ausgestreckten Hand. Goldene Funken sammelten sich, wirbelten, bis sie Form annahmen. Und dann war er da. Ein kleiner, sternförmiger Kristall schwebte über ihrer Handfläche. Sein Inneres bewegte sich wie feiner, leuchtender Sand, der in einem ewigen, ruhigen Kreislauf floss. Nicht laut. Nicht übermächtig. Aber lebendig und warm. Eingefasst in Gold.
Die magische Wärme und Aura lösten sich langsam wieder auf. Der Wind lichtete sich und Echos Haare fielen ihr auf die Schulter. In ihren Augen spiegelte sich das Licht des Hexenkristalls, und zum ersten Mal, seit sie an die Akademie gekommen war, fühlte sie keine Unsicherheit. Sie hatte es geschafft!
Der Kristall sank sanft in ihre Hand. Applaus brandete auf, doch Echo hörte ihn nur fern. Sie betrachtete den kleinen Stern, der nun ihr eigener war. Dawn flog aufgeregt um sie herum und gab ihr einen dicken Schmatzer auf die Wange. Sie waren zusammen so weit gekommen. Von der ersten Stunde Hexerei und Magie und Dawns Geburtsstunde bis zu diesem Tag, an dem sie nun ein Hexenlehrling ist.
Doch sie wusste, ihre Ausbildung war noch lange nicht vorbei und es gab noch viel zu lernen. Echo freute sich, die weitere Reise auf der Akademie zu bestreiten. Mit Dawn. Mit ihren Freundinnen und vielleicht auch noch mit neuen Begleiter*innen.















