Der Wind roch nach Magie und Aufregung, als ich meinen Schulbesen in die Hand gedrückt bekam. Er war… nun ja. Alt. Die Borsten standen ab wie zerzauste Haare am Morgen, und das Holz hatte so viele Kratzer, dass ich mich fragte, ob er vielleicht schon meine Urgroßhexe getragen hatte.
Ich klopfte leicht gegen den Stiel. „Hallo… ich bin Phinea. Bitte wirf mich nicht ab.“ Er knarzte.
Auf dem Trainingsgelände strahlte Professorin Jane uns an. „Locker bleiben, nicht zu stark drücken und immer das Gleichgewicht halten! Und denkt daran die Schulbesen sind etwas älter. Manche sind grummelig!“
Meiner fühlte sich plötzlich sehr angesprochen.
Ich stellte mich vor ihn, hob dramatisch meine Hand und rief: „Flieg!“ Er kippte einfach um. Ich blinzelte. „Das war nicht die richtige Richtung.“
Ein paar Mitschülerinnen kicherten. Ich hob schnell das Kinn, als hätte ich das natürlich genau so geplant. „Testlauf“, murmelte ich und stellte ihn wieder auf.
„Okay“, sagte ich diesmal leiser und strich über das Holz. „Wir machen das zusammen, ja?“ Ich setzte mich vorsichtig wieder drauf. Viel zu vorsichtig. Der Besen blieb einfach stehen. Also drückte ich ein bisschen fester. Zu fest.
Er schoss einen halben Meter hoch, ich quietschte erschrocken und verlor fast das Gleichgewicht, weil ich reflexartig beide Beine in die Luft zog. „Nicht drücken!“ rief Professorin Jane.
„ICH DRÜCKE NICHT!“ rief ich zurück während ich eindeutig drückte.
Ich atmete tief ein. Phinea. Du bist eine Hexe. Eine elegante, magische… In dem Moment rutschte ich leicht zur Seite und klammerte mich panisch an den Stiel. Sehr elegant.
Ich schloss die Augen, lockerte meinen Griff und versuchte es nochmal. Ganz sanft verlagerte ich mein Gewicht. Und da. Ein Kribbeln. Ein kleines Schweben. Ich hob ab, nur ein paar Zentimeter, aber ich flog!
„Oh! OH! Ich fliege!“, rief ich und vergaß vor lauter Begeisterung das Gleichgewicht, sodass ich wieder wackelte.
Der Besen schwankte, ich ruderte mit den Armen wie ein aufgescheuchtes Küken aber irgendwie fing ich mich wieder. Diesmal lachte ich. Nicht peinlich berührt. Sondern ehrlich. „Okay“, flüsterte ich meinem Besen zu. „Wir sind beide keine Profis. Aber wir geben unser Bestes.“
Langsam stieg ich etwas höher auf. Nicht besonders graziös. Nicht besonders schnell. Mein Flug sah wahrscheinlich eher nach „kontrolliertes Chaos“ aus. Aber ich flog.
Und als ich eine kleine, etwas schiefe Runde drehte und dabei fast in ein Windfähnchen krachte wusste ich: Ich, Phinea, tollpatschigste Hexenschülerin aller Zeiten, hatte gerade meinen allerersten Flug geschafft.
Und irgendwie fühlte sich das viel magischer an als jede perfekte Landung..














