Als Miyu an diesem Morgen den Hof der Akademie betrat, spürte sie es sofort: Heute lag etwas Besonderes in der Luft. Ein leises, tiefes Schnurren vibrierte wie Donner in der Ferne. Dann sah sie es. Mitten auf dem Trainingsplatz thronte das Jule-Kätzchen.
Es war nicht einfach groß – es war riesig. So groß wie ein kleiner Hügel, tiefschwarz, mit Augen wie warme Monde und einem Fell, das im Licht schimmerte, als bestünde es aus flüssiger Nacht. Jede seiner Bewegungen ließ den Boden leicht erzittern. Trotzdem wirkte es vollkommen friedlich, fast königlich, während es sich genüsslich auf den Bauch rollte.
Überall strömten Schülerinnen herbei.
„Los, Gruppe A an die Vorderpfoten!“
„Die Flanken brauchen noch Bürsten!“
„Nicht vergessen: Schwanzkamm im Uhrzeigersinn!“
Miyu bekam eine große, silbern glänzende Bürste in die Hand gedrückt und schloss sich ihrer Gruppe an. Sie war zuständig für die Seite direkt unterhalb des Halses – ein Bereich so groß wie der Teppich in der Aula.
Sie setzte die Bürste an. Das Fell war… unglaublich. Warm, weich, flauschig, und doch kräftig wie Seide auf Wolken.
Bei jeder Bewegung ihrer Arme lösten sich dunkle, funkelnde Haarbüschel, die in großen Körben gesammelt wurden. Um sie herum arbeiteten dutzende Schülerinnen, lachten, riefen sich Anweisungen zu und verschwanden fast im endlosen Meer aus schwarzem Fell.
Das Kätzchen schloss die Augen.
„Prrrrrrrrr“
Das Schnurren wurde lauter. Der Klang vibrierte in Miyus Brust, in ihren Füßen, sogar in den Spitzen ihrer Finger. Das Wesen streckte sich genüsslich, ein Vorderbein länger als der ganze Flur der Akademie, und stieß ein zufriedenes „Mrrrauu“ aus, das wie fernes Gewitter über den Hof rollte.
Miyu lächelte. Ihre Arme wurden müde, doch sie arbeitete weiter.
Zwischendurch kletterte sie – zusammen mit – vorsichtig ein Stück über Claire und Rhiann auf den Rücken des Kätzchens, um auch die schwer erreichbaren Stellen zwischen den Schulterblättern zu bürsten. Von dort oben sah die Akademie winzig aus. Unter ihr pulsierte das ruhige, mächtige Atmen des Wesens.
Nach Stunden war es soweit. Die Körbe quollen über vor Jule-Haarwolle – genug, um die legendären Jule-Pullis für viele Klassen anzufertigen. Das Kätzchen ließ sich schließlich auf die Seite sinken, erschöpft und vollkommen zufrieden. Eine letzte, tiefe Schnurrwelle ging durch den Platz, als würde es allen danken.
Miyu setzte sich ins weiche Gras, den Duft von warmem Fell noch in den Händen, und wusste:
Dieser Tag würde einer der schönsten an der Akademie bleiben.
Und irgendwo tief in ihrem Herzen hatte sie das Gefühl,
dass das Jule-Kätzchen sie besonders mochte.














