LUNASTRIA HEXENAKADEMIE

  • Der Winter kommt
    15 November, 2025||
26 November, 2025| Kara|

Professorin Elinor stand mit verschränkten Armen vor uns, ihr bodenlanger Mantel flatterte im Wind, obwohl es vollkommen windstill war – ein sicherer Hinweis darauf, dass sie Magie wirkte. „Die menschliche Verwandlung ist eine Kunst der Präzision“, erklärte sie streng, aber mit funkelnden Augen. „Ihr müsst jede Kleinigkeit kennen – und jede Kleinigkeit treffen. Heute verwandelt ihr euch ineinander. “Ich atmete tief ein und drehte mich zu meiner Partnerin um: LegY. Ihre leuchtend orangefarbenen Haare fielen ihr wie ein lebendiges Feuer über die Schultern, und ihre Augen – so grün wie frisches Moos – funkelten vor freudiger Erwartung. „Bereit?“ fragte sie. „So bereit, wie ich sein kann“, murmelte ich.

Ich schloss die Augen und tauchte in die Magie ein. Ich dachte an die Form ihrer Nase, an ihren aufrechten Gang, an das unruhige Zucken ihres linken Augenbrauenbogens, wenn sie sich konzentrierte. Wärme durchströmte mich, veränderte mich, verzog mich, bis ich spürte, wie die Magie wieder still lag. „Wow“, hörte ich LegY sagen. „Du siehst… fast genau aus wie ich! “Fast.

Professorin Elinor trat näher. „Schau in den Spiegel“, sagte sie. Ich hob den kleinen Handspiegel, den sie uns gegeben hatte. Und da war es: orange Haare, LegYs Gesicht, LegYs Haltung – aber inmitten all dieser Perfektion schimmerten meine eigenen Augen. Mein vertrautes Braun. Hartnäckig wie ein Kaugummi, das man nicht loswird. Ich stöhnte. „Warum ausgerechnet die Augen!“ „Das ist ganz normal“, meinte Professorin Elinor. „Die Augen verraten oft den wahren Kern einer Hexe. Aber es gibt eine Lösung. Im Schulgarten wächst das Larast-Kraut. Wenn du es kaust, wird es dir helfen, deine Magie zu fokussieren. Es ist nur… etwas bitter.“LegY verzog das Gesicht. „Etwas bitter heißt bei Elinor meistens sehr bitter. “Ich stapfte trotzdem los.Der Schulgarten lag friedlich da, als hätte er nichts anderes im Sinn, als uns junge Hexen heimtückisch mit Kräutern zu quälen. Und da sah ich es: das Larast-Kraut, unscheinbar, mit blassen Blättern, die nach nichts Besonderem aussahen. Ich kniff die Augen zusammen und pflückte einen Stängel.

Schon beim ersten Bissen verzog ich das Gesicht so heftig, dass ich beinahe wieder zurück in mein ursprüngliches Ich geschnellt wäre. Es schmeckte, als hätte jemand alte Socken in Zitronensaft eingelegt und dann vergessen, sie wieder herauszunehmen. „Weniger kauen, mehr Magie kanalisieren“, murmelte ich mir selbst zu. Nach einem Moment spürte ich, wie eine klare, scharfe Linie durch meine Magie lief – ein Fokus, wie ich ihn noch nie erlebt hatte. Ich atmete tief ein, sammelte die Energie und ließ die Verwandlung erneut über mich rollen. Als ich in den Spiegel blickte, schnappten meine Lungen nach Luft. Grün. Strahlend, moosig, lebendig. Genau wie LegYs. „Du hast es geschafft!“ rief sie, lief zu mir und musterte mich von Kopf bis Fuß. „Okay, das ist jetzt unheimlich realistisch.“

Professorin Elinor nickte zufrieden. „Sehr gut. Du hast die letzte Hürde genommen. “Ich strahlte – mit LegYs grünem Funkeln. Vielleicht war das Kraut wirklich schrecklich bitter, aber im Moment schmeckte Erfolg eindeutig süßer.