LUNASTRIA HEXENAKADEMIE

  • Sommerzeit
    10 August, 2025||
4 August, 2025| LegY|

Das Rätsel von Professorin Mandragora war in der 6. Stunde Gartenpraxis schnell gelöst, sodass ich mich zusätzlich der Aufgabe B widmete, in der eine magische Pflanze einzupflanzen war. Was ich vorher nicht wusste, dass dies eine etwas längere Unterrichtsstunde werden würde als erwartet, denn selbst mit dem geschicktesten Zauber wird man die Gemütlichkeit der Natur nicht beschleunigen können.

Nun erstmal zur Auswahl der magischen Pflanze. Hierzu wälzte ich wieder einige Bücher. Sollte es wieder eine Heilpflanze werden oder doch etwas woran man nach Fruchtbildung wunderbar naschen könnte? Fast alle fruchtbildende Gewächse benötigten lediglich nur etwas feuchte Erde und einen verzauberten Samen. Samengewächse ließen sich prima mit einem Beschleunigungszauber zum ersten Keimen bringen und nach nur einer Woche auch schon ernten. Durch LeLe kannte ich schon viele dieser „Naschgewächse“ und wäre über das Ergebnis wenig überrascht und ein Geheimnis gelöst oder etwas hilfreiches würde damit nicht vollbracht werden. Also doch etwas anderes?

Während ich las, vergas ich wie schon oft die Zeit. Um mich herum wurde es stiller und dunkler. Bis ich bemerkte, dass die Nacht schon wieder eingebrochen war, war Professorin Mandragora schon längst verschwunden und alle anderen Hexen auch. Immer noch nicht für ein Gewächs entschieden schlug ich die Bücher seufzend zu, erhob mich vom kalten Steinboden, legte alle Bücher zurück und erhob meinen Zauberstab, um die letzten Kerzen zu löschen und die Fenster zu schließen. Ich setzte zum Zauberspruch „cereum claudere“ an, sprach ihn aber nicht zu Ende aus. Völlig gebannt starrte ich ein riesiges kugelrundes Gefäß in einer der vielen Regale an. Was ist denn das?

Ganz unscheinbar, da es zwischen sehr alten und wenig benutzen Büchern als Stütze verwendet wurde, ragte ein rötliches Gewächs aus einem bis kurz unter den Rand gefülltes Vasenglas, heraus. Die etwas größeren und älteren Blätter waren dreieckig und an jedem Stängel waren auch nur drei Blätter angeordnet. Seltsam, dachte ich. So eine Pflanze habe ich noch nie gesehen, aber auch in keinem Buch gefunden. Um dem Geheimnis dieser Pflanze auf den Grund zu gehen, nahm ich meine Gartenschere und schnitt drei Stängel ab. Würde hoffentlich nicht auffallen, aber ich bin schon ziemlich neugierig.

Ich schlich stark über die drei Pflanzenstängel gebeugt durch die dunklen Korridore bis zu meinem Zimmer, als hätte ich das größte Verbrechen aller Zeiten begangen. Dort stand schon der Mondscheintee für die Elfen auf der Fensterbank. Der Vollmond war noch nicht aufgegangen und daher die Tasse noch nicht besucht worden. Da der Tee schon längst erkaltet war, beschloss ich die Stängel erstmal im Tee zu parken und machte mich bettfertig. Stark von der Müdigkeit übermannt, vergas ich eine Vase zu suchen und die Pflanzenstängel umzusetzen und viel in einen tiefen Schlaf.

Ich träumte von wilden Teetassenpartys mit kleinen Elfen im Mondschein und erwachte erst, als die Sonne schon längst über dem Düsterwald stand. Mist, ich komme zu spät zum Besenflugunterricht! Völlig in Eile machte ich mich fertig und stürmte aus meinem Zimmer hinaus zum Besenfluggelände. Was ich in der Eile nicht bemerkte, war eine kleine schwebende Kristallvase auf dem Fensterbrett, in der die Pflanzenstängel standen mit einer kleinen Notiz in Elfenschrift: „Usque ad novam lunam relinquere!“, was ich später übersetzte in „Bis zum nächsten Neumond stehen lassen“.

So verging ein halber Monat und der Klee in Vergessenheit. Bis ich an einem Sonntagmorgen erwachte und verwundert bemerkte, dass sich im Kleeglas ein wurzelartiger Ableger gebildet hatte, an dem schon etwas kleinere Kleeauswüchse erkennbar waren. Die Kristallvase schwebte auch nicht mehr, da der Elfenzauber nun abgeschlossen war. Ganz ohne Frühstück und aufgeregt rannte ich erneut durchs Schloss in den Gewächshausgarten, wo ich wusste, dass Professorin Mandragora sich auch Sonntags um die Pflanzen kümmerte. Sie nahm gerade ihren morgendlichen Kräutertee zu sich, als sie sah, wie ich wild gestikulierend auf sie zu rannte. „Guten Morgen! Schon so engagiert am frühen Morgen?“, begrüßte mich Professorin Mandragora und da ich erstmal nach Luft schnappen musste, begrüßte ich sie indem ich ihr die Vase vors Gesicht hielt.

Verdutzt und ihren Augen nicht trauend, nahm sie ihre Brille ab und begutachtete den Ableger in meiner Vase etwas genauer. „Sag mal, wie hast du das gemacht? Das ist unmöglich. Soweit sind wir doch noch gar nicht im Unterricht gekommen?!“

„Er war auf einmal da“, sagte ich, immer noch nach Luft schnappend. Professorin Mandragora bat mir eine Tasse Kräutertee an und erklärte mir, was mir da so rein zufällig gelungen war.

Der rote Unterwasser-Glücksklee

Ist ein Unterwassergewächs, welches seine Auswüchse über halb des Wassers trägt. Manchmal sogar komplett Unterwasser, je nach dem wie lichtdurchlässig des Wasser ist, indem der Klee wächst. Die Blätter sind dreieckig und dunkelrot bis lila gefärbt. Zum Glücksklee wird er nur, wenn aus dem Dreiecksklee ein Vierecksklee wächst. Man spricht dieser Pflanze eine magische Glückswirkung zu, ebenso wie eine Heilende Wirkung.
Was den Unterwasser-Glücksklee so besonders macht, ist die Art seiner Vermehrung bzw. Zucht. Denn dies beinhaltet eine sehr komplizierte und langwierige Prozedur. Und so ganz ohne Elfenunterstützung ist eine Vermehrung nicht möglich.
Diese Kleeart wird über Ableger vermehrt, so muss man der Mutterpflanze (in diesem Fall) genau drei gleich große Stängel abtrennen und sie in eine verzauberte Elfenkristallvase stellen. Das ganze muss vollzogen werden, wenn der Vollmond sein Zenit erreicht und der Mondschein am kraftvollsten wirkt. Der Ableger bildet sich nur im Sternenwasser, welches das Mondlicht in magische Energie umwandeln kann und somit als Pflanzendünger wirkt. Der Ableger reift in 15 Tagen zum Neumond heran und kann dann in normales Wasser umgesetzt werden. Ist die Erde feucht genug, kann man ihn auch in die Erde Pflanzen.
Der Unterwasser-Glücksklee blüht nur in den Sommermonaten und besitzt eine hellrosa Blüte auf hellgrünem Stängel.

Wir unterhielten uns noch lange miteinander und Professorin Mandragora würde mich noch öfters darum bitten, den ein oder anderen Ableger für ihr Gewächshaus zu ziehen :D