Majovina schickte mich los, um einen Siegelfänger zu fangen. Sie hatte mir grob beschrieben, wie dieser ominöse Gegenstand aussah: Eine runde Mendalje mit einem Pentagramm drauf, die aufgrund ihrer kleinen Flügelchen sich sehr schnell bewegen konnte. Gedankenverloren mache ich mich auf den Weg und suche die Schule ab. Im Musikzimmer werde ich schließlich fündig.

Zwischen den Notenständen schlummert ein Siegelfänger. Er fähnt sich in Sicherheit, da er sich im Halbdunkeln befindet. Bedächtig schließe ich die Tür zum Musikzimmer und gehe auf leisen Sohlen langsam näher heran. Zu meinem Unglück war ich dermaßen auf ihn fixiert, dass ich die Kante von dem Lehrerpult übersehen hatte. Ich stieß mir den Fuß und konnte nur mit Müh und Not einen derben Fluch unterdrücken. Leider hatte diese kleine Unvorsichtigkeit schon gereicht und den Siegelfänger aufgeschreckt. Er schoß aus seinem Versteck hervor und flog wild im Raum umher.
Innerlich gratulierte ich mir selber, dass ich so geistesgegenwärtig war und die Tür geschlossen hatte. Nun musste ich dieses Biest nur noch einfangen. Wie schwer konnte das schon sein?!

Sehr schwer, wie sich innerhalb kürzester Zeit herausstellte. Er war an die Decke geflogen und ich sprang von Pult zu Pult, um ihn doch noch zu erwischen. Wieder musste ich fluchen. Aber zum Glück war niemand anwesend, der mich hören konnte. Ziemlich frustriert ging ich zur Tafel. Ein alter Schwamm lag in seiner Halterung. Er war schon lange nicht mehr benutzt wurden und war deshalb komplett eingetrocknet. Wie sehr ich diese alten Tafelschwämme hasse. Sicherlich gibt es nichts, was eine größere Bakterienschleuder ist als dieses Stückchen Schaumstoff.

Wut stieg in mir auf. Ich war so genervt von dieser Aufgabe, bei der auch noch verlangte wurde, dass niemand mir helfen durfte. Ich griff nach dem Schwamm, drehe mich um und warf ihn frustriert in den Raum. Noch nie in der Geschichte führten jähzornige Aktionen zu einem guten Ergebnis. Es wunderte mich daher nicht, dass der brechend harte Schwamm mit einem >klong< irgendwo gegen prallte und zerbröselte. Ich atmete tief durch und trat dann näher. Der Zufall hatte es gewollt, dass ich den unglückseligen Siegelfänger getroffen hatte, der benommen zu Boden taumelte. Schnell sprang ich vor und griff nach ihm. Die Reste des Schwamms stieß ich mit dem Fuß bei Seite.

„Macht nichts. Tritt sich fest.“, dachte ich mir innerlich und zuckte mir den Schulter. Hauptsache ich würde den Siegelfänger nicht wieder verlieren. Ich umkrallte das kleine Ding mit meiner rechten Hand und ging so schnell wie möglich zurück zu Majovina, um ihn zu übergeben.

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