Der Frosch schaut mich misstrauisch an, während ich die vor mir liegende Liste genauer Studiere. Ich spüre seinen Blick einfach. Wobei ich sein Misstrauen auch gut nachvollziehen kann. Immerhin … habe ich ihn gefangen und nun in das Klassenzimmer verschleppt. Da wäre ich auch nicht gut auf die betroffene Person zu sprechen. Verständnisvoll wandert mein Blick also zu ihm, und ich nicke ihm zustimmend zu, während seine finster glimmenden Augen mich anvisieren.

„Du kommst später wieder zurück in deinen Teich.“, säusel ich leise vor mich hin, während ich meinen Zauberstab zücke, „Aber für diese kleine Übung brauch ich dich jetzt. Kriegst dafür auch noch was Feines. Versprochen.“

Der Frosch gibt einen leisen Laut von sich der wie ein unterdrücktes Quaken klingt. Vielleicht ist er es auch schon gewohnt in unregelmäßigen Abständen von den Schülern dieser Akademie gefangen zu werden um als Verwandlungsobjekt herzuhalten. Das würde zumindest seine genervte, aber erstaunlich ruhige Haltung erklären. Nichtsdestotrotz richte ich nun meinen Zauberstab auf ihn.

„Fliri Flari Floriflu – Verwandel dich in einen Hasen!“

Ich sehe wie die Luft um den Frosch zu flimmern beginnt. Dieser scheint mit einem Mal skeptisch, schaut sich unsicher umher.

Da es sich um ein lebendiges Wesen dieses Mal handelt bin ich sehr vorsichtig. Ich spüre alle vier Elemente an meinem Zauberstab hin und her zerren, mein Arm wird mit einem Mal sehr weich, wechselt regelmäßig zwischen heiß und kalt, zittert unheimlich wild hin und her. Ich umfasse den Zauberstab daher vorsichtshalber zusätzlich mit meiner linken Hand um mehr Sicherheit zu haben.

Die Luft flimmert immer wilder und die Konturen des Froschs beginnen stark zu verschwimmen. Wie ein Laken das gelüftet wird verschwimmt sein Bild und ich merke wie sich die Gestalt des Frosches in meinem Bewusstsein einbrennt. Ich press die Augen zusammen und versuche den Gedanken an die vor mir sitzende Amphibie mit dem eines Hasen zu ersetzen.
Ich hätte mich wirklich eher für die Eidechse entscheiden sollen – verdammt!
Aber sowohl Hase wie auch Frosch haben doch diese kräftigen hinteren Gliedmaßen. Und … ich mag lange Ohren. Lange, weiche Ohren. Vielleicht in … weiß? Ein wenig mehr Form im Kopf, eine weiche, rosa Nase … Und ganz viel Fell. Mit einem kleinen, plüschigen Schwänzchen. Umso mehr ich drüber nachdenke … Wo war noch einmal der Frosch? Da saß doch schon immer ein weißer Hase vor mir auf den Tisch – oder? … Kann und darf es denn so einfach sein?
Ich schüttle den Kopf.
Wer redet denn hier von einfach? Ich habe das Gefühl das mein Arm heftig nach links und rechts ausschlägt, so wild brennt die elementare Energie gerade auf meinen Zauberstab ein! Es wäre schön, wenn der Gedanke an den Hasen ausreichen würde um dieses Szenario zu beenden! Wobei der Druck tatsächlich weniger zu werden scheint, seitdem ich mir das Bild von dem Säugetier so klar vorstellen kann.
Zaghaft öffne ich die Augen.

Die Luft flimmert immer noch, aber lange nicht mehr so wild wie eben. Dort wo eben der Frosch noch saß, sitzt nun ein weißer, mies dreinblickender Hase. Seine großen, gelben Augen blicken irgendwo gelangweilt und genervt zu mir rüber, als würde er sich fragen, warum ich immer noch so zittrig den Zauberstab in seine Richtung halten würde.

Erleichtert senke ich diesen. Greife in meine Tasche und leg dem Hasen eine Kirsche vor die Pfoten.
„Danke.“, flüstere ich leise.
Das Tier schnüffelt skeptisch an der Frucht. Ist bestimmt seltsam für einen Frosch eine Kirsche zu essen. Aber als Hase kann er sie wohl akzeptieren. Während er sie nun mümmelt, warte ich auf die Bewertung der Lehrerin.

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