Ein Raunen geht zunächst durch die Schülerreihen, nachdem Majolana uns die heutige Aufgabe verkündet hat.

„Melodien lassen sich ganz leicht herbeizaubern. Werdet einfach Kreativ!“, zwinkert sie uns motivierend zu.

Doch anstelle von motivierter Schaffenskraft in meinem inneren, höre ich mich selber nur angestrengt seufzen. Und bin darauf von mir selber dezent enttäuscht. Kopfschüttelnd zücke ich zögerlich meinen Stab. Unauffällig wandert mein Blick hin und her um zu erhaschen wie meine Mitschülerinnen an diese Aufgabe herangehen.

Meine gute Freundin Yoko wählt nicht ihren Zauberstab, sondern ihr Instrument. Das sich dabei mit Melodien arbeiten lässt ist offensichtlich. Da sie jedoch eine Melodien-Spezialisierung hat ist es nicht verwunderlich, dass mit einem Mal ein leichter Lichtschleier sich um sie legt, nachdem sie eine Melodie auf ihrer Mundharmonika angestimmt hat. Wirklich sehr beeindruckend. Und mit einem Mal – zack – verschwindet sie, und ich höre die angestimmte Melodie auf einmal von der anderen Seite des Schulgartens.

Wahnsinn!

Okay. Ich bin zwar nicht schlecht mit meiner Geige zugange, aber aufgrund der unterschiedlichen Spezialisierungen möchte ich es nicht unbedingt ausprobieren und am Ende einfach nur peinlich in der Gruppe auffallen. Ich bleibe also bei meinem Zauberstab.

Mit Melodien zu zaubern bedeutet streng genommen mit Tönen zu arbeiten – Töne weiten sich über Schallwellen aus, die über die Luft übertragen werden. Also sollte ich wahrscheinlich, wenn ich mit Luft arbeite, an ein ähnliches Ergebnis anknüpfen können, wie es zum Beispiel Yoko vorgemacht hat.

Ich atme tief ein und schließe die Augen. Ganz leicht nur vibriert mein Handgelenk, welches den Zauberstab hält. Inzwischen habe ich das Gefühl doch schon recht gut verinnerlicht um mit den verschiedenen Elementen arbeiten zu können. Von daher habe ich recht schnell das Selbstbewusste Gefühl die Luftströme um mich herum angezapft zu haben. Ganz leicht, wie ein Dirigent, beginne ich meinen Zauberstab zu schwingen. Dabei halte ich ihn steifer als sonst, damit die Luftströme leicht angeschnitten werden und ein „pfeifen“ ähnlich wie ein Ton aufkommen kann; hoffentlich zumindest, denn bevor ich die Energie des Elements nutzen möchte, sollte ich mich entscheiden, was ich genau damit anstellen möchte. Also öffne ich langsam die Augen.

Mein Blick schweift verloren durch das Gartengelände – und mit einem Mal fällt mir auf wie trocken einige der nahelegenden Kräuterbeete auf mich wirken. Das sieht doch ganz praktisch aus.

Ich richte mich auf das nahegelegene Beet mit dem Pepril-Kraut. Sehr kontrolliert richte ich die Spitze meines Zauberstabs aus und beginne dann mit der schneidenden Bewegung die Luftenergie in die gewollte Schwingung zu versetzen. Ein Pfeifen ertönt und ich sehe die Kräuter einmal heftig gegen eine Windböe ankämpfen.

Stimmt, ich sollte mich eventuell für diese Art von Zauber ein zusätzliches Element verwenden: Wasser. Erneut schließe ich die Augen um mich besser konzentrieren zu können.
„Wasser“, denke ich mir laut, „Wasser und Luft muss ich trennen – wie ein Ei beim Backen. Die Luft lenkt und das Wasser verteilt sich nur.“

Mein Zauberstab beginnt sich etwas kühler anzufühlen, als ich mit ihm versuche das Wasser aus den mich umgebenden Quellen herauszufiltern. Die Luftfeuchtigkeit ist heute nicht sonderlich hoch. Und der Boden ist durch die letzten warmen Tage auch eher ausgedörrt. Meine Fühler müssen größer werden, schließlich möchte ich das Wasser nicht von den anderen mich umgebenden Pflanzen nehmen. Mit einem Mal fällt mir ein, dass der Brunnen am Eingang des Schulgartens doch eine passende Quelle sein müsste! Dieser liegt recht weit weg, aber vielleicht hilft mir ja die Melodie um die erforderliche Energie passend einzusetzen. Da muss doch ein solcher Nutzen hinter stecken!

Ich weiß wo der Brunnen liegt, von daher male ich mir vor meinem Inneren Auge den Weg zu diesem aus und schicke meinen Zauber mit einer ausholenden Bewegung und einer Melodie einfach in die gewünschte Richtung. Ein wildes klimpern, als würde jemand verwirrt auf einem Klavier spielen wollen, ertönt. Ich gebe mir Mühe nicht zu zusammenzuzucken. Erst als ich ein leichtes vibrieren in meinem Zauberstab verspüre ziehe ich den Zauberstab wieder zu mir zurück. Aus der Richtung wo der Brunnen liegen müsste schwebt ein wabernder leichter streifen einer unsichtbaren Flüssigkeit – ja, womöglich Wasser – auf uns Hexenschülerinnen zu. Ich konzentriere mich zwar auf dieses „etwas“, doch mir entgeht nicht wie einige meiner Mitschülerinnen misstrauisch ein paar Schritte zur Seite machen oder gar in Deckung gehen. Sicherlich, es sieht schon sehr seltsam aus. Und … es … macht Geräusche? Eine recht ungeschickte Melodie, eben wie ein ungeübtes Klavierspiel, begleitet die wabernde Masse. Und ganz leicht spielt sie auch noch, als der Wasserstreifen über dem Pepril-Kraut-Beet anhält.
Ich löse mit einer raschen Bewegung die Luft, die das Wasser zurückgehalten hat. Eine lautes, für mich undefinierbares Geräusch, ertönt und lässt das gesammelte Nass mit einem Mal auf die Pflanzen hinabsausen. Wie eine kalte Dusche.

Ich löse meine angespannte Haltung und schaue zu Majolana hinüber. Sicherlich, elegant sah es nicht aus, aber ich sollte mit meiner kleinen Übung den Anforderungen der heutigen Prüfung entsprochen haben.

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